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Korrespondenz

VERWIRRENDE KONTRAINDIKATIONEN FÜR METFORMIN (GLUCOPHAGE U.A.)

Die Diabetestherapie mit dem Biguanid Metformin hat bisher als einzige die Erwartungen hinsichtlich Reduktion kardiovaskulärer Erkrankungen bis hin zur Gesamtmortalität erfüllt - zumindest für die in der UKPDS 10,7 Jahre lang untersuchte Population von übergewichtigen, überwiegend gesunden 25- bis 65-jährigen Diabetikern ohne Begleitmedikation mit Sulfonylharnstoffen (a-t 1998; Nr. 10: 88-90).1

Groteskerweise sind die Kontraindikationen in den Fachinformationen von Metformin-Präparaten sehr unterschiedlich. So findet sich für GLUCOPHAGE unter anderem die Einschränkung: "schwere Herz- oder Lungenerkrankung". Bezüglich der Feststellung einer Niereninsuffizienz werden keine Vorschriften gemacht. Eine Altersgrenze wird nicht erwähnt. Soll aber das preisgünstigere MEDIABET verordnet werden, muss plötzlich vor, 4 Wochen nach und weiter alle 6 Monate die Kreatininclearance bestimmt werden. Herz- und Lungenerkrankungen gelten insgesamt als Kontraindikationen, und es tauchen ganz neue Einschränkungen auf, zum Beispiel pAVK. Ab dem 65. Lebensjahr sind die Einschränkungen so ausufernd, dass kaum ein Patient für diese Therapie in Frage kommt.

Die negativen Auswirkungen liegen auf der Hand: 1.: Manchen Patienten wird das Präparat unnötigerweise vorenthalten. 2.: Laktazidosen können selten auch ohne prädisponierende Situationen entstehen. Bei Verstoß gegen die Fachinformation kommt es dann bei einem eventuellen Verfahren zur Beweislastumkehr. 3.: Patienten sollten nicht mit unnötigen und zum Teil in der Interpretation schwierigen Clearancebestimmungen belästigt werden. 4.: Weiterhin drängen derzeit Glitazone genau in das Marktsegment des Metformins. Hier sind die Risiken bei fehlenden Langzeitstudien mit patientenrelevanten Endpunkten völlig unabwägbar (siehe Seite 66, Red.). Es steht zu befürchten, dass bei überzogenen Kontraindikationen gegenüber dem in seinem Risiko-Nutzen-Profil inzwischen gut abwägbaren Metformin mehr Patienten mit den neuen Glitazonen behandelt werden...

Wie kommt es zu so unterschiedlichen Herstellerangaben über die Gefahren der Therapie mit Metformin?

Dr. D. HOCHLENERT (Arzt für Innere Medizin, Diabetologe, DDG)
D-50825 Köln

1 UK Prospective Diabetes Study Group: Lancet 1998; 352: 854-65

Das teure und immer noch marktführende GLUCOPHAGE ist seit 1973 im Handel, während MEDIABET 1993 zugelassen wurde. Unterschiede bei stoffgleichen, zu unterschiedlichen Zeitpunkten zugelassenen Produkten spiegeln den jeweiligen Kenntnisstand wider - einschließlich den des Sachbearbeiters in der Zulassungsbehörde. Das Arzneimittelgesetz verpflichtet die pharmazeutischen Anbieter zwar, die Produktinformationen ihrer Präparate eigenverantwortlich dem neuesten Kenntnisstand anzupassen. Unterlassungen werden jedoch nicht sanktioniert. Die Zulassungsbehörde ist für den Inhalt der Produktinformationen bei Zulassung zuständig. Die Übernahme der Fachinformationsinhalte durch andere Anbieter hat die Landesbehörde zu überwachen. Zuständigkeitschaos und daraus sich ergebende Widersprüche gefährden die Therapiesicherheit, -Red.

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