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Methämoglobinämie unter SUBCUTIN N: Nach operativer Entfernung der Gaumen- und Rachenmandeln spült ein fünfjähriger Junge den Mund mit Benzokain-haltiger SUBCUTIN N-Lösung und verschluckt dabei etwa 15 ml. Kurz darauf wird er zyanotisch und ringt nach Luft. Der Notarzt veranlasst Sedierung, Intubation und Beatmung mit Sauerstoff. Mit einer Sauerstoffsättigung von 75% wird das Kind in die nächste Universitätsklinik geflogen. Dort stellt man eine toxische Methämoglobinämie (Methämoglobin [Met-Hb] bis 52%) fest, die sich unter Behandlung mit Methylenblau innerhalb weniger Tage zurückbildet (NETZWERK-Bericht 10.724). Wird das zweiwertige Eisen des roten Blutfarbstoffs zu dreiwertigem oxidiert, entsteht Met-Hb, das keinen Sauerstoff transportieren kann. Bilden sich akut 10% bis 20% Met-Hb, ist mit Zyanose, Kopfschmerzen, Herzrasen, Atemnot und Schwindel zu rechnen, ab 45% mit Kollaps und bei über 70% Met-Hb mit Tod. Verschiedene Mittel oder deren Abbauprodukte, z.B. Lokalanästhetika wie Prilokain (XYLONEST, a-t 1994; Nr. 12: 120 und 1997; Nr. 2: 24), Benzokain und Lidokain (XYLOCAIN u.a.), Sulfonamide, Nitrate und verschiedene Antimalariamittel kommen als Auslöser in Frage. Besonders gefährdet sind Säuglinge, bei denen die enzymatische Reduktion des Methämoglobins langsamer als bei Erwachsenen erfolgt, und Personen mit Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel. Benzokain ist in vielen rezeptfrei erhältlichen Präparaten enthalten, zum Beispiel in Cremes, Lösungen zum Gurgeln, Halstabletten u.a. Die bei örtlicher Anwendung aufgenommenen Mengen können ausreichen, die toxische Schädigung auszulösen. In der Literatur wird mehrfach schwere Methämoglobinämie nach örtlicher Betäubung mit Benzokain im Rahmen zahnärztlicher Eingriffe, Endoskopie und Intubation beschrieben, aber beispielsweise auch nach Auftragen eines Benzokain-haltigen Externums als "Zahnungshilfe" oder gegen genitalen Juckreiz (GENTILE, D.A.: Pediatr. Emerg. Care 1987; 3: 176-8; FERRARO- BORGIDA, M.J. et al.: Ann. Emerg. Med. 1996; 27: 785-8/ ati d).

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