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Cox-2-Hemmer magenverträglich wie Plazebo? Mehrfach stellten wir die besondere Magenverträglichkeit der beiden Cox-2-Hemmer Rofecoxib (VIOXX) und Celecoxib (CELEBREX) infrage (vgl. a-t 1999; Nr. 12: 123-4; 2000; 31: 86; 2001; 32: 87-8). Konfrontiert mit der Behauptung eines Pharmareferenten, das gastrointestinale Risikopotenzial von Rofecoxib läge "auf Plazeboniveau", hält ein Oberarzt es "für dringend geboten", seine Erfahrungen mitzuteilen: Eine 73-jährige Rentnerin bekommt nach Verdoppelung der Tagesdosis auf 50 mg Rofecoxib Magenschmerzen, Übelkeit und Durchfall und nimmt innerhalb weniger Wochen 5 kg ab. Im Krankenhaus werden Refluxösophagitis mit BARRETT-Schleimhaut, hämorrhagische Gastritis sowie multiple Duodenalulzera festgestellt, die nach Absetzen von Rofecoxib und Einnahme von Pantoprazol (PANTOZOL, RIFUN) abheilen (NETZWERK-Bericht 12.420). Ein 77-jähriger Patient blutet nach mehrwöchiger Einnahme von Rofecoxib akut aus einem Duodenalulkus, erleidet einen Kreislaufschock und nachfolgend einen Herzinfarkt (12.421). Im NETZWERK DER GEGENSEITIGEN INFORMATION dokumentieren wir bislang 22 Berichte zu gastrointestinalen Störeffekten von Rofecoxib und 5 zu Celecoxib. Zu teils lebensbedrohlichen Blutungen kommt es bei 10 bzw. 4 der erfassten Personen. Die Mehrzahl der von Blutungen Betroffenen ist älter als 65 Jahre. Die Fachinformationen von VIOXX und CELEBREX weisen auf Perforationen des oberen Gastrointestinaltraktes, Ulzera und Blutungen hin (MSD: Fachinformation VIOXX, Stand Juni 2002; Pharmacia: Fachinformation CELEBREX, Stand Okt. 2000). "Nebenwirkungen auf Plazeboniveau" erachten wir als typische Marketing-Behauptung (a-t 1996; Nr. 8: 77-8), mit der sich Verordner in die Irre führen lassen.

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