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Kurz und bündig

Werbeaussagen substanzlos - Escitalopram (CIPRALEX) nicht besser als Citalopram (CIPRAMIL u.a.): Die Neueinführung eines Einzel-Enantiomers zum Schutz vor Umsatzeinbrüchen bei Ablauf des Patents für ein razemisches Präparat ist mittlerweile eine beliebte Marketingstrategie (a-t 2000; 31: 82-3 und 2001; 32: 30). Klinische Vorteile lassen sich in den meisten Fällen nicht nachweisen. Aktuelles Beispiel ist das linksdrehende Isomer des Antidepressivums Citalopram (CIPRAMIL u.a.), Escitalopram (CIPRALEX), für das wir bei Markteinführung nur einen Zweck erkennen konnten: den Erhalt der Marktanteile der Firma Lundbeck (a-t 2003; 34: 83-4). Eine schwedisch-australische Arbeitsgruppe überprüft jetzt erneut die Werbebehauptungen des Herstellers, dass Escitalopram stärker und schneller wirke als Citalopram. Sie vergleicht sie dazu mit den beiden als Referenz zitierten Studien: eine auch in der hiesigen CIPRALEX-Werbung vielfach herangezogene gepoolte Auswertung von drei nur teilweise publizierten Studien (GORMAN, J. et al.: CNS Spectrums 2002; 7 [Suppl. 1]: 40-4) sowie eine nur als Poster veröffentlichte Untersuchung. Überlegenheit von Escitalopram lässt sich aus diesen Arbeiten nicht ableiten (vgl. a-t 2004; 35: 21-3). Für das primäre Zielkriterium - die durchschnittliche Änderung des MADRS*-Punktwertes nach 8 bzw. 24 Wochen - ergibt sich weder in der gepoolten Auswertung noch in der Posterstudie ein Vorteil von Escitalopram gegenüber Citalopram. Die behaupteten Unterschiede basieren alle auf nachträglich definierten Subgruppen, sekundären Zielkriterien oder Analysen, die nicht nach dem Intention-to-treat-Prinzip vorgenommen werden. Hinzu kommt, dass beide Arbeiten erhebliche methodische Mängel aufweisen, die die gefundenen minimalen Unterschiede hinreichend erklären können. Die Ergebnisse bestätigen die Einschätzung der Zulassungsbehörden in den USA, Schweden und Dänemark, die alle keinen signifikanten Unterschied zwischen Escitalopram und Citalopram erkennen (SVENSSON, S. MANSFIELD, P.R.: Psychother. Psychosom. 2004; 73: 10-6; DYER, O.: BMJ 2003; 326: 1004).

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