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Hirnatrophie durch Hormonsubstitution?

Seit der Women's Health Initiative-Memory-Studie (WHIMS; a-t 2003; 34: 64) ist bekannt, dass bei über 65-jährigen Frauen die Langzeiteinnahme konjugierter Östrogene - mit oder ohne Gestagene (CLIMOPAX, Generika) - das Risiko einer Demenz erhöht. Da die bedenklichen kardiovaskulären Effekte (Herzinfarkt, Schlaganfall u.a.) einer postmenopausalen Hormonsubstitution aus der WHI-Studie schon früher bekannt waren (a-t 2002; 33: 81-3), wurde vermutet, dass die "östrogenogene" Demenz durch subklinische ischämische Insulte bewirkt werde. Diese Annahme wird in einer kernspintomografischen Nachuntersuchung (WHIMS-MRI*) nicht bestätigt: In einer Subgruppe mit 1.400 der ursprünglich knapp 7.500 randomisierten Frauen in der WHIMS werden durchschnittlich ein bis drei Jahre nach Studienstopp das Ausmaß ischämischer Läsionen und die Volumina von Hirnarealen im MRT gemessen. Zu diesem Zeitpunkt sind die Frauen im Mittel 79 Jahre alt. Es zeigt sich, dass ischämische Schäden mit dem Alter der Frauen zunehmen, signifikante Unterschiede zwischen Hormon- und Plazebobehandlung finden sich jedoch nicht (COKER, L.H. et al.: Neurology 2009; 72: 125-34). Anders bei den Volumenmessungen: Lobus frontalis und Hippocampus sind bei den hormonbehandelten Frauen signifikant kleiner als bei Frauen aus der Plazebogruppe (um 2,37 cm3 bzw. 0,10 cm3). Am deutlichsten ist die Atrophie bei Frauen, die schon bei Studienbeginn kognitive Defizite aufwiesen (RESNICK, S.M. et al.: Neurology 2009; 72: 135-42). Die Erhebung der Daten in einer kleinen Subgruppe, in der der Randomisierungseffekt der WHIMS-Studie nicht mehr vorausgesetzt werden kann, die offensichtlich nachträgliche Planung und die fehlenden Ausgangsdaten schränken die Aussagekraft der WHIMS-MRI-Studie ein. Sie bildet andererseits jedoch die bislang größte Beobachtungsstudie zum Einfluss von postmenopausalen Sexualhormonen auf das Hirnvolumen. Danach scheinen postmenopausale Hormone zumindest bei älteren Frauen und besonders bei vorbestehenden kognitiven Einschränkungen mit Hirnatrophie einherzugehen und können so möglicherweise alters- oder auch alkoholbedingte hirnatrophische Veränderungen verstärken, -Red.

* MRI = Magnetic Resonance Imaging

© 2009 arznei-telegramm, publiziert am 13. Februar 2009

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