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Nebenwirkungen

ABSTILLMITTEL BROMOCRIPTIN (PRAVIDEL, GENERIKA): MEHR SCHADEN ALS NUTZEN

Krampfanfälle, Psychosen, schwere Herz- und Gefäßkomplikationen einschließlich Schlaganfällen und Hirnblutungen sind unter dem ergolinen Dopaminagonisten Bromocriptin (PRAVIDEL, Generika) beschrieben (a-t 1993; Nr. 10: 100), der zur Hemmung der Milchbildung vorwiegend von jungen gesunden Frauen eingenommen wird. Schon vor Jahrzehnten haben wir wegen der zerebralen und kardiovaskulären Schadwirkungen vor der Anwendung von Bromocriptin zum Abstillen gewarnt (a-t 1994; Nr. 9: 90, 1995; Nr. 3: 32). In den USA und Kanada ist das Mittel seit den 1990er Jahren für diese Indikation nicht mehr zugelassen (a-t 1995; Nr. 3: 27-8).

Auf Antrag der französischen Arzneimittelbehörde hat jetzt der europäische Ausschuss für Risikobewertung im Rahmen der Pharmakovigilanz (PRAC) das Nutzen-Schaden-Verhältnis von Bromocriptin neu bewertet und empfiehlt, die Indikation zur Laktationshemmung stark einzuschränken. Der Dopaminagonist soll demnach nur noch ausnahmsweise eingenommen werden, zum Beispiel um die Milchbildung bei Frauen zu unterdrücken, deren Kind tot geboren wird oder wenn eine mütterliche HIV-Infektion das Stillen nicht erlaubt. Während der Einnahme von Bromocriptin soll der Blutdruck kontrolliert und bei Auffälligkeiten die Behandlung abgebrochen werden.1 Frauen, die an Bluthochdruck oder einer psychischen Grunderkrankung leiden, welche als Risikofaktoren für Störwirkungen unter Bromocriptin gelten, dürfen das Mittel nicht anwenden.1,2

Laktationshemmer sind aus unserer Sicht entbehrlich: Der Milchfluss kommt auf natürliche Weise zum Erliegen, wenn das Kind nicht mehr gestillt wird. Maßnahmen wie Kühlung und Hochbinden der Brust sollen diesen Prozess unterstützen, ggf. kann eine symptomatische Schmerztherapie erfolgen.

1 EMA: Pressemitteilung vom 11. Juli 2014; http://www.a-turl.de/?k=rnis
2 MEDA Pharma: Fachinformation PRAVIDEL, Stand März 2013

© 2014 arznei-telegramm, publiziert am 22. August 2014

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