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NEUES ZU SEH- UND HÖRSTÖRUNGEN
NACH OMEPRAZOL (ANTRA, GASTROLOC)

Einer 55jährigen Lehrerin wird von ihrem Hausarzt wegen eines Magengeschwürs sechs Wochen lang erst täglich 40 mg, dann 20 mg Omeprazol verordnet. Während dieser Zeit sowie vier Wochen vorher nimmt die sonst gesunde Frau kein anderes Medikament ein. Zwei Tage nach Einnahmebeginn bemerkt sie erstmalig Schleiersehen am rechten Auge. Dieses verschwindet nach einigen Tagen spontan und wird nicht weiter beachtet. Das Schleiersehen fällt bei Absetzen von Omeprazol erneut auf und hält nun konstant an. Fundoskopisch findet sich eine ödematöse Papillitis/Neuritis bei engen Fundusgefäßen am rechten Auge. Die umfangreiche Diagnostik einschließlich Serologie, Angiographie, MRT und CT ergibt keine Befunde, die einer spezifischen Pathophysiologie (Neuritis optici, multiple Sklerose u. a.) zuzuordnen sind.

Die behandelnden Augenärzte beschreiben eine entzündliche Papillitis/Neuritis mit ödematösen Veränderungen, die in den Endzustand einer ischämischen Opticus-Neuropathie (AION) übergeht. Das Sehvermögen des rechten Auges bleibt anhaltend beeinträchtigt. Dieses gut dokumentierte und in einem Universitätsklinikum nachuntersuchte Ereignis (NETZWERK-Bericht 7273) reiht sich in die zuvor berichteten irreversiblen Sehstörungen in Verbindung mit Omeprazol ein (a-t 7 [1993] 74; 11 [1993], 122; 4 [1994], 34). Der Verdacht auf immunogene Verursachung in Form einer Vaskulitis wird durch die Beschreibung eines vergleichbaren Immunsyndroms ohne Sehstörungen in Verbindung mit Omeprazol erhärtet.1

Auch Hörstörungen kommen erneut vor. Ein Kollege mit Non-HODGKIN-Lymphom nimmt wegen eines Ulcus duodeni Omeprazol. Eine subjektiv wahrnehmbare Hörminderung wird zunächst als Zytostatika-Effekt interpretiert. Bei erneuter Einnahme von Omeprazol drei Monate später verschlechtert sich wiederum das Hörvermögen, und ein vorbestehender einseitiger Tinnitus nimmt zu (Bericht 7522). Quälende Ohrgeräusche gehören zu den bekannten Störwirkungen des Säureblockers.2

1  SIVAKUMAR. K., M. C. DALAKAS: Lancet 344 (1994), 619
2  Therapiekursbuch, A.V.I., Berlin, Seite 1114


© 1994 arznei-telegramm

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