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Systemische Wirkungen von Prostaglandin-Augentropfen: Fünf Jahre nach Markteinführung der ersten Prostaglandin-Augentropfen ist Latanoprost (XALATAN; a-t 1997; Nr. 8: 82-3) mit rund 66 Millionen (Mio.) € (2002, Apothekenabgabepreis) das umsatzstärkste Glaukommittel. Der Nachfolger Travoprost (TRAVATAN) steht mit rund 8 Mio. € bereits auf Rang 6. Neben häufigen und charakteristischen Störeffekten am Auge wie Irispigmentierung und Zunahme von Dicke, Länge oder Anzahl der Wimpern u.a. ist auch mit systemischen Wirkungen zu rechnen (a-t 2002; 33: 27-30): Schweißausbrüche, Hypersensibilität der Haut, Hautausschlag an den Handinnenflächen, verstärktes Träumen und beschleunigter Stuhlgang veranlassen einen Glaukompatienten, Travoprost abzusetzen. Wenige Tage danach sind die Beschwerden abgeklungen (NETZWERK-Bericht 12.948). In Verbindung mit Latanoprost dokumentieren wir Angst, Schlaflosigkeit und Zittern (9.259) sowie Stuhlveränderung (9.295). Migräneartige Kopfschmerzen (WESTON B.C.: Arch. Ophthalmol. 2001; 119: 300-1), starke Schweißsekretion (SCHMIDTBORN, F.: Ophthalmologe 1998; 95: 633-4) und Hautausschlag im Gesicht (ROWE, J.A. et al.: Am. J. Ophthalmol. 1997; 124: 683-5) nach Anwendung von Latanoprost sind beschrieben. Zwar nennt Pharmacia in der Fachinformation von XALATAN (Stand Aug. 2002) Asthma, Atemnot und Hautausschlag als Störwirkung, behauptet aber andererseits fälschlicherweise, es seien "keine systemischen Nebenwirkungen zu erwarten" (Pharmacia: Schreiben vom 2. Okt. 2003). Dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) liegen 30 Berichte zu systemischen Nebenwirkungen von Latanoprost vor, drei zu Travoprost und fünf zu dem neuesten Prostaglandin Bimatoprost (LUMIGAN; vgl. a-t 2002; 33: 51-2; BfArM: Schreiben vom 30. Sept. 2003).

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