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Im Blickpunkt

NEUES ZUR THROMBOSEPROPHYLAXE
MIT AZETYLSALIZYLSÄURE (ASPIRIN u.a.)

Für mehr Patienten mit Herzkreislauferkrankungen als bisher angenommen lassen sich mit Azetylsalizylsäure (ASS, ASPIRIN u.a.) und anderen Thrombozytenaggregationshemmern frühzeitiger Tod und Morbidität abwenden. Dies ergibt die bisher größte Metaanalyse von 300 klinischen Studien mit mehr als 140.000 Teilnehmern.1 Neu ist:

  • Neben den heutzutage üblicherweise behandelten Patienten schützt ASS auch Personen mit stabiler Angina pectoris, peripherer Gefäßerkrankung, Bypass-Operation oder Angioplastie vor Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod aufgrund von Gefäßerkrankungen (s. Tab.).2
  • Frauen profitieren ebenso wie Männer.2
  • Hochrisikopersonen haben Nutzen unabhängig von Alter, Geschlecht, Bluthochdruck oder Diabetes.2
  • ASS schützt auch vor Venenthrombosen. Thrombozytenaggregationshemmer verhindern tiefe Venenthrombosen bei 90 und Lungenembolien bei 17 von 1.000 Risikopatienten. Bislang fehlten Belege für einen Nutzen im venösen Schenkel des Kreislaufs (s. auch a-t 7 [1993], 68). Nach Auswertung von über 50 Studien an mehr als 8.000 Patienten wird das Thrombose- und Embolierisiko nach Operationen etwa halbiert.3 Die Schutzwirkung könnte damit ungefähr in der Größenordnung der üblichen Prophylaxe mit subkutanem Heparin liegen. Das Verhältnis von Nutzen zu ASS-Risiken wie etwa Blutungen oder Nierenschädigung bei Einnahme unmittelbar postoperativ (vgl. a-t 10 [1992], 105) bedarf der weiteren Klärung.

ASS-Tagesdosen zwischen 75 mg und 325 mg (s. Kostenvergleich) schützen langfristig ähnlich gut vor arteriellen Thrombosen.2 In akuten Situationen wie beim frischen Herzinfarkt gewährleisten jedoch nur Anfangsdosen von 160 mg eine ausreichende Hemmung der Blutplättchenfunktion (vgl. a-t 7 [1993], 72).4 ASS kommt im Unterschied zur Thrombolyse für nahezu alle Patienten mit akutem Myokardinfarkt in Betracht. Beide Prinzipien schützen etwa gleich viele Infarktkranke vor frühzeitigem Tod. Ihr Nutzen addiert sich weitgehend (a-t 1 [1994], 3).5 Ein Monat ASS kostet rund 3 DM, eine Kurzzeitlyse mit Streptokinase (z.B. KABIKINASE) dagegen etwa 500 DM.

Thrombozytenaggregationshemmer schützen 40 bis 90 von 1.000 Patienten mit Bypass oder Angioplastie innerhalb von 7 (Koronarien) und 19 Monaten (periphere Arterien) vor Verschluß von Transplantat oder Arterie.6

Gesunden ist nach wie vor nicht zu raten, vorbeugend ASS einzunehmen (vgl. a-t 8 [1991], 69). Während die Zahl nicht-tödlicher Herzinfarkte unter Primärprävention mit Thrombozytenaggregationshemmern über fünf Jahre um 5 pro 1.000 Anwender sinkt, nehmen nicht-tödliche Schlaganfälle um 2 pro 1.000 zu, darunter unter Verum häufiger die stets bedrohlichen Hirnblutungen.2

FAZIT: Täglich 75 bis 325 mg Azetylsalizylsäure (ASS, ASPIRIN u.a.) schützen einen größeren Personenkreis als bisher angenommen vor Herzinfarkt, Schlaganfall und frühzeitigem Tod. Zudem verhütet ASS offenbar auch Venenthrombosen und Lungenembolien. Gesunden ist die Vorbeugung mit ASS (Primärprävention) nicht zu empfehlen.


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