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Im Blickpunkt

TYP-2-DIABETES: THERAPIEZIELE UND GLUKOSESELBSTKONTROLLE

Die Blutzuckersenkung bei Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus soll Hyperglykämiesymptome mindern und das Risiko der Folgekomplikationen senken. Hyperglykämie-bedingte Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Polyurie und Durst treten nahezu ausschließlich bei Patienten mit Glukosurie auf. Senkung des HbA1c-Wertes in den Bereich um 8% kann diese Beschwerden wirksam reduzieren.1,2 Ein HbA1c-Wert um 8% entspricht in etwa präprandialen Blutzuckerwerten um 180 mg/dl bzw. dem Verschwinden von Zucker aus dem Urin.1,2 Für die Selbstkontrolle bei diesem Therapieziel reicht es daher aus, den Urinzucker zu messen (a-t 1997; Nr.10: 107 und 2001; 32: 46-7).

Die seit Jahrzehnten brennende Frage der Diabetologie ist, ob sich die hohe Morbidität und Mortalität der Patienten mit Typ-2-Diabetes durch Senkung des Blutzuckers in einen nahezu normoglykämischen Bereich (HbA1c um 6% bis 7%) reduzieren lassen. Mit dieser Frage haben sich bislang nur zwei randomisierte Langzeitstudien beschäftigt, die UGDP* (a-t 1997; Nr. 4: 41-3) und die UKPDS* (a-t 1998; Nr. 10: 88-90).3,4 Leider ist es in keiner dieser Studien gelungen, durch bessere Blutzuckerkontrolle die Sterblichkeit oder die Häufigkeit von Herzinfarkten, Schlaganfällen, Amputationen, Erblindungen oder Dialysen zu senken (siehe Tabelle auf Seite 18). Statistisch signifikant werden in der UKPDS nur Surrogatparameter beeinflusst: Unter der intensiven Therapie sinkt innerhalb von zehn Jahren das Risiko einer Retina-Laserkoagulation um absolute 2,8% (NNTJahr = 357) und das Risiko einer Verdoppelung des Serumkreatinins um 1,05% (NNTJahr = 952). Wie an der großen Zahl der dafür zu behandelnden Patienten (Number Needed to Treat [NNT], vgl. a-t 1998; Nr. 5: 47-50) deutlich wird, ist selbst dieser Effekt relativ gering. Senkung des Blutzuckers in normoglykämische Bereiche steigert aber bei älteren Patienten das Risiko schwerer Unterzuckerungen erheblich.4

Für die kleine Minderheit junger Patienten mit Typ-2-Diabetes, die wegen ihrer langen Lebenserwartung ein hohes Risiko haben, mikroangiopathische Spätschäden zu erleiden, erscheint es sinnvoll, in Anlehnung an die DCCT*5 (a-t 1993; Nr. 8: 78) Therapieziele wie beim Typ-1-Diabetes mellitus anzustreben, also nahezu normalisierte Blutzuckerwerte. Dieses Vorgehen wird auch durch eine japanische Studie zur intensivierten Insulintherapie bei jüngeren Patienten mit Typ-2-Diabetes gestützt.6 An dieser Studie haben überwiegend schlanke Patienten teilgenommen, deren Diabetes mellitus durchschnittlich im Alter von Anfang bis Mitte 40 manifest wurde.6 Dagegen sind die Patienten der UKPDS eher übergewichtig und durchschnittlich Mitte 50 bei Diagnose ihres Diabetes.4 Um das Ziel der Normoglykämie zu erreichen, ist eine adäquate Schulung in der Anwendung einer flexiblen Insulintherapie notwendig, bei der die Patienten auch lernen, die Insulindosierung selbstständig auf Grund selbstgemessener Blutzuckerwerte anzupassen.



Für die überwiegende Zahl der älteren Patienten mit Typ-2-Diabetes lässt sich aus bisherigen Studien kein relevanter Nutzen der straffen Blutzuckereinstellung ableiten. Hier reicht daher das Therapieziel, Hyperglykämie-bedingten Beschwerden vorzubeugen, und somit die Urinzuckerkontrolle. Eine Anpassung der Insulindosis auf der Basis von Blutzuckerselbstmessungen ist hier nicht erforderlich.

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