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arznei-telegramm® online/digital und Arzneimitteldatenbank

Seit 48 Jahren informiert das arznei-telegramm® Ärzte, Apotheker und andere Heilberufe über Nutzen und Risiken von Arzneimitteln - neutral und unabhängig, ohne Werbung und ausschließlich durch Abonnements finanziert.



Überblick über die Themen der aktuellen Ausgabe des arznei-telegramm®

Sie können ein kostenloses Probeheft oder ein Probeabonnement bestellen.

Die atd Arzneimitteldatenbank des arznei-telegramm® (lizenzpflichtig) bewertet detailliert mehr als 1.700 Wirkstoffe in rund 18.000 Arzneimitteln, nennt deren Indikationen, Gegenanzeigen, Nebenwirkungen, Interaktionen und Pharmakokinetik und verlinkt zu über 16.000 weiterführenden Quellen. Die Datenbank wird monatlich aktualisiert. Sie können eine befristete kostenlose Probelizenz. bestellen.

Interessierte Laien bzw. Patienten finden in der von uns mitgegründeten - ebenfalls von der Pharmaindustrie unabhängigen - Verbraucherzeitschrift Gute Pillen - Schlechte Pillen Rat.




Im Inneren unseres Verlagsgebäudes,
dem Wasserturm auf dem Friedhof Bergstraße
in Berlin-Steglitz.
Foto: © W. Becker-Brüser
arznei-telegramm® 2017; 48: 63
Alkoholentwöhnung – kein Nutzen von hochdosiertem Baclofen (LIORESAL, Generika) in ALPADIR-Studie

Seit hochdosiertes Baclofen (LIORESAL, Generika) infolge des Bestsellers eines französischen Kardiologen zu einem Wundermittel in der Alkoholentwöhnung avancierte (e a-t 1/2010; a-t 2016; 47: 29), ist Off-label-Anwendung in dieser nicht zugelassenen Indikation vor allem in Frankreich, aber auch hierzulande verbreitet. In Erfahrungsberichten in Internetforen, aber auch wiederholt in Fernsehsendungen, erscheint Baclofen als zweifelsfrei wirksames Entwöhnungsmittel, das den Suchtdruck nimmt und abstinentes Leben ermöglicht.    freier Zugang  


arznei-telegramm® 2017; 48: 60-1
CANVAS-STUDIE MIT CANAGLIFLOZIN
... zweite Endpunktstudie mit SGLT-2-Hemmer

In der 2015 publizierten EMPA-REG-OUTCOME-Studie1 hatte sich für Patienten mit Typ-2-Diabetes und kardiovaskulären Vorerkrankungen ein günstiger Einfluss des SGLT-2-Hemmers Empagliflozin (JARDIANCE) insbesondere auf Herzinsuffizienz und kardiovaskuläre Sterblichkeit sowie Gesamtsterblichkeit gezeigt, wenngleich aufgrund von Studiendesign und Durchführung Zweifel blieben (a-t 2015; 46: 95-7 und 2016; 47: 65-6). Inzwischen haben die Ergebnisse in den USA zu einer Indikationsausweitung geführt:  mehr 

blitz-a-t vom 10. Juli 2017
blitz-a-t: ANWENDUNGSBESCHRÄNKUNGEN FÜR DACLIZUMAB (ZINBRYTA) BEI MULTIPLER SKLEROSE

Während die Überprüfung der Sicherheit von Daclizumab (ZINBRYTA) bei Multipler Sklerose (MS) aufgrund eines Todesfalls wegen akuten Leberversagens (a-t 2017; 48: 64) noch läuft, schränkt die europäische Arzneimittelbehörde EMA soeben das zugelassene Anwendungsgebiet deutlich ein:    mehr  


arznei-telegramm® 2017; 48: 58-60
BARICITINIB (OLUMIANT) UND TOFACITINIB (XELJANZ) GEGEN RHEUMATOIDE ARTHRITIS

Seit April bzw. Mai 2017 sind mit Baricitinib (OLUMIANT) und Tofacitinib (XELJANZ) die ersten Januskinase-Hemmer zur Therapie der mittelschweren bis schweren aktiven rheumatoiden Arthritis in Deutschland im Handel. Zugelassen sind sie für Erwachsene, die auf eine vorangegangene Behandlung mit mindestens einem krankheitsmodifizierenden Antirheumatikum (DMARD; vgl. a-t 2010; 41: 115-6) unzureichend angesprochen oder diese nicht vertragen haben. Die Kinasehemmer können in Kombination mit Methotrexat (MTX; LANTAREL u.a.) angewendet werden oder auch als Monotherapie, Tofacitinib allerdings nur, wenn MTX nicht vertragen wird oder ungeeignet ist.1,2 In den USA wurde kürzlich die Zulassung von Baricitinib versagt.    mehr  


arznei-telegramm® 2017; 48: 57-8
PREISTREIBEREI BEI ORPHAN DRUGS
... in sieben Jahren um das 450-Fache verteuert

Noch 2008 ist das Chenodeoxycholsäure-haltige CHENOFALK ein ganz normales Mittel zur Auflösung von Gallensteinen, das allerdings durch die besser verträgliche Ursodeoxycholsäure (URSOFALK, Generika) überholt ist. Dann übernimmt Sigma-Tau das Altpräparat und ersetzt es 2010 durch das wirkstoffidentische XENBILOX - bei gleicher Dosis und gleicher Indikation zum 15-fachen Preis (a-t 2010; 41: 30). Die Firma, die sich insbesondere der Vermarktung von Arzneimitteln zur Therapie seltener Erkrankungen (Orphan Drugs) widmet, begründet die Preissteigerung mit der Sicherstellung der Produktion des Präparates für die wenigen Patienten, die Chenodeoxycholsäure zur Off-label-Behandlung der seltenen erblich bedingten zerebrotendinösen Xanthomatose benötigen.1    mehr  


arznei-telegramm® 2017; 48: 54
Intraartikuläres Triamcinolon (VOLON A u.a.) gegen Kniearthrose?

Intraartikuläre Injektionen zur Behandlung einer Arthrose beurteilen wir seit Langem als nicht vertretbar (vgl. a-t 1996; Nr. 4: 35-8). Nach einem Cochrane-Review aus dem Jahr 2015 ist angesichts mangelhafter Datenlage unklar, ob intraartikuläre Kortikosteroide kurzfristig (innerhalb von bis zu sechs Wochen nach Injektion) einen klinisch relevanten Nutzen haben. Demnach werden lediglich in einer der 27 eingeschlossenen Studien adäquate Maßnahmen zur Verringerung einer Verzerrung der Ergebnisse ergriffen, und diese Studie weist nicht auf einen Nutzen hin. Die Anwendung sollte nach Ansicht der Autoren als experimentell angesehen und nicht routinemäßig durchgeführt werden.1    mehr  


arznei-telegramm® 2017; 48: 52-3
MAGENSCHUTZ MIT PPI BEI EINNAHME NEUER ORALER ANTIKOAGULANZIEN?

In a-t 2017; 48: 4, 13-14 hatten Sie eine klare Indikation für den Magenschutz mit Protonenpumpenhemmern (PPI) unter Einnahme von Low-dose-ASS unter bestimmten Voraussetzungen postuliert. Wie sieht es mit der Notwendigkeit eines Magenschutzes mit PPI bei Verordnung neuer oraler Antikoagulanzien wie Apixaban (ELIQUIS) z.B. bei Vorhofflimmern aus? Von Kardiologen erhält man keine eindeutige Antwort. Man ist überwiegend eher dafür. Auch die einschlägigen Firmen halten sich mit eindeutigen Statements zurück. Aussagekräftige Studien zu dieser Problematik habe ich nicht gefunden. Für Ihre Einschätzung wäre ich dankbar.

N.N. (Name etc. im a-t 6/2017 genannt)

Die Datenlage zum Magenschutz mit Protonenpumpenhemmern (PPI) unter Einnahme neuer oraler Antikoagulanzien (NOAK) wie auch von Cumarinen ist sehr unbefriedigend. In großen Phase-III-Studien1-4 zum Vergleich der zugelassenen NOAK mit Warfarin (COUMADIN) bei Vorhofflimmern sind schwere gastrointestinale Blutungen unter Rivaroxaban (XARELTO),1 zweimal täglich 150 mg Dabigatran (PRADAXA)2 sowie unter Edoxaban (LIXIANA)3 häufiger als unter Warfarin, unter Apixaban (ELIQUIS)4 etwa gleich häufig. In absoluten Zahlen kommen diese Blutungen unter den NOAK bzw. Warfarin in den Studien pro Jahr bei 1% bis 2% vor (a-t 2011; 42: 74-7; 2012; 43: 2-4, 11-2; 2013; 44: 3-4, 13; 2015; 46: 83-6). Anders als nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) verursachen orale Antikoagulanzien per se keine Schleimhautschäden, können aber Blutungen aus bestehenden Läsionen fördern.    mehr  


arznei-telegramm® 2017; 48: 50-2
AKTIVE ÜBERWACHUNG BEIM FRÜHEN PROSTATAKARZINOM
... Screening rehabilitiert?

Für das optimale Vorgehen bei klinisch lokal begrenztem, nichtmetastasierten Prostatakarzinom sind viele Fragen ungelöst.1,2 Zeitnahe lokale Therapien wie radikale Prostatektomie und perkutane Strahlentherapie oder auch die so genannte aktive Überwachung („Active Surveillance“) unter Einschluss von PSA-Bestimmungen mit dem Ziel, erst bei Anzeichen für ein Fortschreiten der Erkrankung eine lokale Therapie einzuleiten, sind Behandlungsoptionen mit kurativer Absicht. Dem steht das abwartende Vorgehen im Sinne eines „Watchful Waiting“ gegenüber, das erst bei Auftreten von Beschwerden durch das Karzinom eine symptomorientierte Therapie und dann in nichtkurativer Absicht vorsieht, ohne dass dies beispielsweise für Ältere eine Einbuße an Lebenszeit bedeuten muss. Laut Leitlinien sollen die Betroffenen über Vor- und Nachteile der Optionen mit dem Ziel einer partizipativen Entscheidungsfindung aufgeklärt werden, wobei als Entscheidungskriterien für oder gegen eine kurative Intention Patientenpräferenz, Alter und Komorbidität sowie das Progressionsrisiko genannt werden.2,3    mehr  


arznei-telegramm® 2017; 48: 49-50
METHADON GEGEN KREBS?

Mehrere Kollegen bitten uns um Einschätzung des Nutzens von Methadon (METHADDICT u.a.) gegen Krebs. Anlass sind Fernsehsendungen, in denen eine spezielle Zubereitung des hierzulande ausschließlich zur Substitutionsbehandlung bei Opioidabhängigkeit zugelassenen Opioids als viel versprechende und kostengünstige unterstützende Therapie bei Krebs dargestellt wird. Die Pharmaindustrie würde die Erforschung des patentfreien Mittels jedoch zu Gunsten teurer Innovationen nicht finanzieren, weil mit Methadon kein Geld zu verdienen sei.1 Methadon soll nach dem Prinzip eines Wirkverstärkers über Aktivierung von Opioidrezeptoren auf Tumorzellen die Wirkung einer Chemotherapie verbessern.2 Patienten scheinen die Verweise auf in-vitro- und tierexperimentelle Ergebnisse sowie die suggestiven anekdotischen Berichte so zu überzeugen, dass sie die Behandlung mit Methadon aktiv einfordern.    freier Zugang  


arznei-telegramm® 2017; 48: 44
FIASP: BIZARRE BLÜTE DES EVERGREENING

Der Patentschutz für die Formulierung des bereits seit 1999 verfügbaren schnellwirkenden Insulin aspart (NOVORAPID, a-t 1999; Nr. 11: 115-6) läuft 2017 ab.1 Passend hierzu bringt Anbieter Novo Nordisk im April 2017 eine neue Formulierung unter dem Handelsnamen FIASP als mahlzeitbezogenes Insulin zur subkutanen Injektion auf den Markt (sog. Evergreening; a-t 2016; 47: 69-70). Zugelassen ist es zur Therapie des Diabetes mellitus Erwachsener.2 Von NOVORAPID unterscheidet es sich lediglich durch Zusatz des Hilfsstoffs Nikotinamid, der für eine raschere initiale Absorption nach s.c.-Injektion sorgen soll, sowie von Argininhydrochlorid als Stabilisator.    mehr  


arznei-telegramm® 2017; 48: 44-6
LANGZEITDATEN ZU ADJUVANTEM TRASTUZUMAB BEI BRUSTKREBS

Die einjährige adjuvante Therapie des HER2-positven Brustkrebses mit Trastuzumab (HERCEPTIN; a-t 2007; 38: 18 und 2008; 39: 67-9) zusätzlich zur Standardtherapie hat sich in vier großen randomisierten Studien (NCCTG-N98311, NSABP-B311, BCIRG-0062, HERA3) als lebensverlängernd erwiesen. Von zwei gemeinsam publizierten Studien liegen inzwischen Langzeitdaten über acht Jahre vor, von der dritten Daten über fünf Jahre.1,2 Aktuell werden die abschließenden Ergebnisse der HERA-Studie veröffentlicht, bei der die mediane Nachbeobachtung jetzt elf Jahre beträgt.3    mehr  


arznei-telegramm® 2017; 48: 41-2
KÜNSTLICHE VERKNAPPUNG
... skrupellose Preissteigerungen bei patentfreien Krebsmitteln u.a. Arzneimitteln

Der weltweit agierende südafrikanische Pharmakonzern Aspen Holdings droht, die Auslieferung dringend benötigter Krebsmittel zu stoppen, wenn Gesundheitsbehörden Preissteigerungen bis auf das 40-Fache (4.000%) nicht akzeptieren.1 So geschehen beispielsweise in Italien und Spanien. Das Geschäftsprinzip dahinter ist so einfach wie skrupellos: Aspen hat von GlaxoSmithKline (GSK) die Rechte an fünf preiswerten Zytostatika wie Busulfan (MYLERAN) oder Melphalan (ALKERAN) gekauft, für die es trotz des seit Jahrzehnten abgelaufenen Patentschutzes in den meisten Ländern keine generischen Konkurrenzprodukte gibt. In einigen Indikationen gehören sie aber heute noch zum Therapiestandard. So ist Melphalan beispielsweise bei der Hochdosistherapie von Patienten mit multiplem Myelom nicht durch andere Zytostatika zu ersetzen.2 Solche Alleinstellungen geben der Firma die Möglichkeit, schwer erkrankte Patienten quasi als Geiseln zu nehmen, um die geforderten exzessiven Preise durch Androhung eines Auslieferungsstopps durchzusetzen - ein Verhalten, das im krassen Gegensatz zu der von Aspen in Selbstdarstellungen in Anspruch genommenen „Nulltoleranz gegen unethisches Verhalten“ 3 steht.    mehr  


e a-t 4/2017
Frankreich – Kontrazeptiva der 3. und 4. Generation immer seltener verordnet

In Frankreich sinken die Verordnungszahlen von Kontrazeptiva der 3. und 4. Generation mit Gestagenen wie Desogestrel (in LAMUNA u.a.) oder Drospirenon (in MAITALON u.a.) seit Jahren: Ihr Anteil an kombinierten oralen Kontrazeptiva ist von 2012 auf 2013 von 48% auf 26% und bis 2015 weiter auf 21% gesunken. Eingeleitet wurde die Trendwende, nachdem eine Frau, die in Verbindung mit der Einnahme einer „Pille“ der 3. Generation schwere Komplikationen erlitten hatte, 2012 gegen Anbieter und Arzneimittelbehörde geklagt hat und dies mit einer breiten öffentlichen Diskussion über die besonderen Risiken von „Pillen“ der 3. und 4. Generation einherging.    freier Zugang  


arznei-telegramm® 2017; 48: 34-6
2 MIO. € PRO VERHINDERTES EREIGNIS, NUTZEN IN EUROPA UNSICHER, KEIN EINFLUSS AUF DIE STERBLICHKEIT
... zur FOURIER-Studie mit Evolocumab

Eineinhalb Jahre nach Markteinführung des Cholesterinsenkers Evolocumab (REPATHA; a-t 2015; 46: 109-10) – und damit nach einer etwa im Vergleich zu Ezetimib (EZETROL, in INEGY u.a.; a-t 2002; 33: 110-1 und 2015; 46: 58) relativ kurzen Zeitspanne – liegen jetzt mit der FOURIER-Studie erste Daten zum klinischen Nutzen vor. Evolocumab senkt das LDL, indem es die Bindung des Enzyms PCSK9 an den LDL-Rezeptor auf Leberzellen und damit den Abbau des Rezeptors hemmt.

An der aktuell publizierten Studie nehmen mehr als 27.000 Patienten zwischen 40 und 85 Jahren mit Herzinfarkt (81%) oder nichthämorrhagischem Schlaganfall (19%) in der Vorgeschichte und/oder mit symptomatischer peripherer arterieller Verschlusskrankheit (13%) teil.    mehr  


arznei-telegramm® 2017; 48: 33-4
ERSTATTUNGSBETRÄGE NACH AMNOG
... Landessozialgericht stellt Kalkulation und Wirtschaftlichkeit infrage

Wenn ein Arzneimittel mit einem neuen Wirkstoff auf den Markt kommt, muss es sich seit Inkrafttreten des Arzneimittel­marktneuordnungs­gesetzes (AMNOG, a-t 2010; 41: 101-3) im Jahr 2011 einer so genannten frühen Nutzenbewertung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) unterziehen, in der sein Zusatznutzen im Vergleich zur jeweils zweckmäßigen Vergleichstherapie geprüft wird. Das Ergebnis hat maßgeblichen Einfluss auf den Erstattungsbetrag, den die Krankenkassen ab dem zweiten Jahr nach Markteinführung für das neue Mittel bezahlen und der vom GKV-Spitzenverband und dem jeweiligen Anbieter ausgehandelt oder bei fehlender Einigung von der Schiedsstelle festgelegt wird. Präparate ohne belegten Zusatznutzen dürfen dabei nicht zu höheren jährlichen Therapiekosten führen als die vom G-BA bestimmte zweckmäßige Vergleichstherapie (bei mehreren Alternativen ist die wirtschaftlichste zu wählen).    mehr  


arznei-telegramm® 2017; 48: 29-30
WADENKRÄMPFE – ERNEUT KEIN NUTZEN VON MAGNESIUM

Magnesiumhaltige Produkte sind mit einem Absatz von mehr als 40 Millionen Packungen pro Jahr in Deutschland die beliebtesten Nahrungsergänzungsmittel. Hinzu kommen jährlich rund 6 Millionen verkaufte Packungen rezeptfreier Magnesium-Arzneimittel. Eines der Leiden, gegen das Magnesium helfen soll, sind Wadenkrämpfe. Belegt ist das nicht.    freier Zugang  


arznei-telegramm® 2017; 48: 29
ERHÖHTES HERZINFARKTRISIKO UNTER
NSAR BEI AKUTEM ATEMWEGSINFEKT?

Im Hamburger Abendblatt wurde eine Studie des Journal of Infectious Diseases erwähnt. In dieser Studie heiße es, bei Patienten mit Atemwegsinfekten, die Schmerzmittel wie Ibuprofen (IBUPROFEN-CT u.a. Generika) oder Diclofenac (VOLTAREN, Generika) einnehmen, steige das Herzinfarktrisiko um 340%. Ich wurde jetzt schon mehrfach von Patienten darauf angesprochen... Wie ist dies zu bewerten?

N.N. (Name etc. im a-t 3/2017 genannt)

Nach mehreren Beobachtungsstudien sind akute Atemwegsinfekte mit einem zwei- bis fünffach erhöhten relativen Risiko eines akuten Herzinfarktes assoziiert, möglicherweise aufgrund systemischer Entzündungsreaktionen. Die im Hamburger Abendblatt erwähnte aktuell publizierte taiwanische Studie bestätigt diesen Zusammenhang. Anhand der Versicherungsdaten von knapp 10.000 Herzinfarktpatienten wird im Case-cross-over-Design die Woche vor dem Infarkt mit der Woche ein Jahr zuvor verglichen. Danach steigt das relative Herzinfarktrisiko im Rahmen akuter Atemwegsinfekte auf das 2,7-Fache (adjustierte Odds Ratio [aOR] 2,65; 95% Konfidenzintervall [CI] 2,29-3,06).    mehr  


arznei-telegramm® 2017; 48: 31-2
BELLADONNA-HALTIGE HOMÖOPATHIKA
... schwere Störwirkungen und Todesfälle in USA

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA geht derzeit mehr als 400 Verdachtsberichten über Störwirkungen in Verbindung mit der Anwendung Belladonna-haltiger Homöopathika gegen Zahnungsbeschwerden bei Säuglingen und Kleinkindern nach, die der Behörde zwischen 2010 und 2016 gemeldet wurden, darunter zehn Todesfälle. Dokumentiert sind zudem unter anderem Krampfanfälle, Tremor, Fieber, Atembeschwerden, Lethargie und Schläfrigkeit, Verstopfung, Erbrechen und Unruhe – Symptome, die mit toxischen Effekten der in Belladonna enthaltenen Alkaloide wie Atropin vereinbar sind. Die FDA hat bereits mehrfach vor schwerwiegenden unerwünschten Effekten der homöopathischen Zahnungsmittel gewarnt, zuletzt Anfang des Jahres. Die körperliche Reaktion auf die schwarze Tollkirsche sei bei Kindern unter zwei Jahren nicht vorhersehbar, was diese einem unnötigen Risiko aussetze, so die Behörde. Belege eines Nutzens gebe es für die Präparate hingegen nicht. Bei Laboranalysen wurden zudem wiederholt schwankende Belladonna-Konzentrationen gefunden, die den deklarierten Gehalt zum Teil weit überstiegen. Betroffen sind neben Zahnungsmitteln auch homöopathische Zubereitungen gegen Ohrenschmerzen.    mehr  


arznei-telegramm® 2017; 48: 25-8
BEHANDLUNG DER "SÄUGLINGSKOLIK"

Schreien ist ein natürliches Verhalten des Säuglings, mit dem er auf seine Bedürfnisse aufmerksam macht. In der Regel nimmt die tägliche Schreidauer ab der zweiten Lebenswoche zu und erreicht im Alter von sechs bis acht Wochen mit durchschnittlich zwei bis drei Stunden pro Tag ihren Höhepunkt. Danach nehmen die Schreiepisoden meist wieder ab und stabilisieren sich nach dem dritten Lebensmonat. Übersteigen bei einem gesunden Säugling in dieser Zeit Dauer und Häufigkeit des Schreiens das übliche Maß, gilt dies als exzessives Schreien, auch "Säuglingskolik" oder "Dreimonatskolik" genannt (a-t 1998; Nr. 6: 54).    mehr  


arznei-telegramm® 2017; 48: 22
MIGRÄNEPROPHYLAXE BEI KINDERN - PLAZEBO DIE BESTE MEDIZIN?

2014 hat die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA das Antiepileptikum Topiramat (TOPAMAX, Generika) auf Basis einer kleinen plazebokontrollierten Studie mit 103 Teilnehmern zur Migräneprophylaxe für Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren zugelassen. Diese Entscheidung wird durch die öffentlich finanzierte deutlich größere doppelblinde CHAMP-Studie mit jungen Migränepatienten nun infrage gestellt. 361 Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 17 Jahren mit eingangs im Mittel 11,4 Kopfschmerztagen pro Monat werden randomisiert einer 24-wöchigen Prophylaxe mit zweimal täglich Amitriptylin (SAROTEN, Generika; Zieldosis 1 mg/kg Körpergewicht [KG] pro Tag), Topiramat (Zieldosis 2 mg/kg KG pro Tag) oder Plazebo zugeteilt. Nach der ersten von zwei geplanten Zwischenanalysen wird die Studie wegen fehlenden Nutzens vorzeitig abgebrochen.    freier Zugang  


arznei-telegramm® 2017; 48: 18-9
SCHWERES EOSINOPHILES ASTHMA: IL-5-ANTIKÖRPER RESLIZUMAB (CINQAERO)

Mit Reslizumab (CINQAERO) steht seit Januar dieses Jahres ein zweiter gegen Interleukin 5 (IL-5) gerichteter monoklonaler Antikörper zur Asthmatherapie zur Verfügung. Ähnlich wie der Anti-IL-5-Antikörper Mepolizumab (NUCALA; a-t 2016; 47: 34-6) ist Reslizumab als Zusatz zur Langzeittherapie bei Erwachsenen mit schwerem eosinophilen Asthma zugelassen, das trotz hochdosierter inhalativer Kortikosteroide plus einem weiteren Dauermedikament, wie ein langwirkendes Betamimetikum (LABA), unzureichend kontrolliert ist. Anders als das subkutan zu injizierende Mepolizumab muss Reslizumab intravenös infundiert werden. Wegen des Risikos anaphylaktischer Reaktionen darf Reslizumab nur durch medizinisches Fachpersonal in Notfallbereitschaft verabreicht werden. Die Patienten sind auch nach Ende der Infusion zu überwachen.    mehr  


arznei-telegramm® 2017; 48: 19-21
DELIR IN DER PALLIATIVVERSORGUNG – NEUROLEPTIKA SCHLECHTER ALS PLAZEBO

Bei bis zu 90% der Patienten in der Palliativversorgung entwickeln sich in der letzten Lebensphase Symptome eines Delirs. Dabei handelt es sich um eine akut auftretende Störung des Bewusstseins und der Kognition mit beeinträchtigter Aufmerksamkeit, Störung von Wahrnehmung, Denken, Gedächtnis und Orientierung, Illusionen und meist visuellen Halluzinationen sowie Störungen der Psychomotorik, Emotionalität und des Schlaf-Wachrhythmus. Unterschieden wird eine hyperaktive Form, bei der Unruhe und Agitation vorherrschen, von der häufiger verkannten hypoaktiven Form mit Bewegungsarmut und Benommenheit. Häufig sind auch Mischformen. Typisch ist der fluktuierende Verlauf. Für die Betroffenen und ihre Angehörigen können die Episoden sehr belastend sein.    mehr  


arznei-telegramm® 2017; 48: 15
DIETHYLSTILBESTROL (DES; FRÜHER: CYREN U.A.) – SCHADWIRKUNGEN ÜBER DREI GENERATIONEN

Trotz fehlender Wirksamkeitsbelege sind bis in die späten 1970er Jahre weltweit Millionen schwangerer Frauen, um Fehlgeburten zu vermeiden, mit dem synthetischen Östrogen Diethylstilbestrol (DES; früher: CYREN u.a.) behandelt worden, das seither als teratogen und kanzerogen gilt (a-t 1977; Nr. 12: 102). Etwa eine von 1.000 jungen Frauen, deren Mütter in der Schwangerschaft mit dem Östrogen behandelt wurden (so genannte „DES-Töchter”), erkrankt an Adenokarzinomen von Scheide oder Zervix und hat ebenso wie die Mütter ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs. Für mehr als 50% der DES-Töchter sind benigne Veränderungen bzw. Fehlbildungen der Geschlechtsorgane beschrieben, in Fallberichten auch für DES-Söhne (a-t 1986; Nr. 8: 75). Uterine Fehlbildungen führen dabei zu Schwangerschaftskomplikationen wie ektope Schwangerschaft, Fehl- und Frühgeburt.   freier Zugang  


arznei-telegramm® 2017; 48: 4, 13-4
ERHÖHTES KARDIOVASKULÄRES RISIKO DURCH PROTONENPUMPENHEMMER?

Ist es gerechtfertigt, Azetylsalizylsäure (ASS; ASPIRIN, Generika) bei bestehender koronarer Herzkrankheit und Zustand nach gastrointestinaler Blutung letztlich unklarer Ursache mit einem Protonenpumpenhemmer (PPI) zu kombinieren? Ich frage vor dem Hintergrund, dass PPI ja offenbar selber gefäßschädigend sind. Leider konnte ich bisher keine Antwort bekommen, allenfalls Unverständnis für diese Fragestellung!

N.N. (Name etc. im a-t 1/2017 genannt)

Nach der Diskussion um mögliche Interaktionen von Protonenpumpenhemmern (PPI) wie Omeprazol (ANTRA, Generika) mit Clopidogrel (PLAVIX, Generika; a-t 2009; 40: 22 und 2010; 41: 125-6) oder auch mit Azetylsalizylsäure (ASS; ASPIRIN; Generika; a-t 2011; 42: 54-5) wird in der Tat seit Kurzem auch ein direkter Herz-Kreislauf-schädigender Effekt der Stoffgruppe der PPI diskutiert. Eine US-amerikanisch-britische Arbeitsgruppe hat die Hypothese aufgestellt, dass PPI durch Hemmung der Dimethylarginin-Dimethylaminohydrolase, die zu erhöhten Spiegeln von asymmetrischem Dimethylarginin (ADMA) und damit zur Hemmung der Stickstoffmonoxidsynthetase führt, das Risiko einer vaskulären Entzündung und Thrombose steigern. Untermauert wird die These mit einer Reihe von In-vitro- und Tierversuchen. Ob aber therapeutische Serumspiegel von PPI beim Menschen die ADMA-Spiegel in relevantem Ausmaß steigern, ist unklar.    mehr  


arznei-telegramm® 2017; 48: 1-2
WEISSDORN UND GINKGO BILOBA
... Bestandsschutz verhindert Anpassungen an den Kenntnisstand

Fachinformationen sollen den aktuellen Kenntnisstand zu Arzneimitteln wiedergeben. Dies ist im Großen und Ganzen im Bereich der Risikoangaben der Fall. Allerdings kann es zum Teil Monate oder ein Jahr und länger dauern, bis neu erkannte Risiken tatsächlich aufgenommen werden, ein Beispiel hierfür ist die progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML) unter Dimethylfumarat (TECFIDERA; a-t 2016; 47: 98). Neue Indikationen gelangen hingegen üblicherweise rasch in die Produktinformationen, was auch im Interesse der Anbieter liegt. Erweist sich jedoch eine bereits zugelassene Indikation als unbegründet, kann es unmöglich sein, diese zu widerrufen.    mehr  


arznei-telegramm® 2017; 48: 2-3
ZUR DAUER DER ANTIBIOTIKATHERAPIE BEI AMBULANT ERWORBENER PNEUMONIE

Zur angemessenen Dauer einer Antibiotikatherapie bei ambulant erworbener Pneumonie gibt es - wie für viele andere bakteriell bedingte Erkrankungen - wenig Daten. Unnötig lange Einnahmen erhöhen insbesondere das Risiko für Resistenzen, aber auch für Störwirkungen, steigern die Therapiekosten und mindern möglicherweise die Compliance.

In Leitlinien wird bei unkompliziertem Verlauf einer Pneumonie eine Einnahmedauer zwischen fünf und zehn Tagen empfohlen, mit deutlichen Variationen im Detail. Eine deutschsprachige S3-Leitlinie rät bei leichter bis mittelschwerer Pneumonie zu einer fünf- bis siebentägigen Behandlung. In der Praxis sind jedoch offenbar längere Behandlungszyklen üblich.    mehr  


arznei-telegramm® 2016; 47: 122
ANGIOÖDEM UND WEITERE UNVERTRÄGLICHKEITSREAKTIONEN AUF LAVENDELÖL PER OS (LASEA)

Eine 44-jährige Frau mit einer Angststörung erleidet am zweiten Tag der Einnahme von Lavendelöl (LASEA) ein als lebensbedrohlich beurteiltes Angioödem mit Dyspnoe, Exanthem und Kribbelparästhesien im Bereich von Mund und Zunge (NETZWERK-Bericht 17.162). In einem weiteren Bericht werden Lippen- und Gesichtsschwellung, Hautquaddeln im Brustbereich und Juckreiz an den Beinen nach mehrtägiger Einnahme des ohne Rezept erhältlichen ätherischen Öls beschrieben (17.152). Allergische Hautreaktionen sind nach äußerlicher Anwendung von Lavendelöl dokumentiert und treten laut Fachinformation nach Einnahme per os häufig (1% bis 10%) auf. Systemische Überempfindlichkeitsreaktionen kommen daher nicht unerwartet.   freier Zugang  


arznei-telegramm® 2016; 47: 117-8
RIVAROXABAN BEI VORHOFFLIMMERN UND KORONARER STENTEINLAGE
... Vorteile gegenüber Warfarin zweifelhaft

Bis zu 30% der Patienten mit nichtvalvulärem Vorhofflimmern leiden an einer koronaren Herzkrankheit und bis zu 10% der Patienten mit Indikation für einen intrakoronaren Stent weisen Vorhofflimmern auf. Neben der Antikoagulation ist nach Stenteinlage vorübergehend zusätzlich eine duale Plättchenhemmung nötig, die dann allerdings das Blutungsrisiko mindestens verdoppelt (vgl. a-t 2009; 40: 69-71). Während bisher im Rahmen einer solchen Tripeltherapie Vitamin-K-Antagonisten empfohlen wurden, regen aktualisierte Leitlinien mittlerweile an, neue orale Antikoagulanzien zu bevorzugen, obwohl die Erfahrungen damit in dieser Situation begrenzt sind. Die PIONEER-AF-PCI-Studie vergleicht jetzt Rivaroxaban (XARELTO) mit Warfarin (COUMADIN) bei zusätzlicher Plättchenhemmung wegen Stenteinlage.    mehr  


arznei-telegramm® 2016; 47: 118-21
PER SCREENING ENTDECKTE KAROTISPLAQUES BEI GESUNDEN - WAS TUN?

In meiner täglichen Arbeit als Hausarzt werde ich immer wieder mit folgender Fragestellung zur Primärprävention bei Erkrankungen der hirnversorgenden Gefäße konfrontiert. Beispiel: Patient, 50 Jahre alt, keine Hypercholesterinämie, im Ultraschall nicht stenosierende harte Plaque im Bulbus carotis links, keine weiteren Vorerkrankungen. Gibt es hier evidenzbasierte Empfehlungen zur Therapie (kardiologisch und neurologisch werden mir hier häufig ASS und CSE-Hemmer empfohlen)? Welche Evidenz liegt für die Aussage vor, dass CSE-Hemmer eine Plaquestabilisierung bewirken?

N.N. (Name etc. im a-t 12/2016 genannt)

Im Ultraschallscreening entdeckte Plaques der Halsschlagader (Arteria carotis) gelten als Marker für eine subklinische Atherosklerose. Nach bevölkerungsbezogenen Studien soll die Ausprägung einer Atherosklerose in einem arteriellen Bereich mit der in anderen Arterien korrelieren. Wenn bei Gesunden im mittleren Lebensalter nach Karotisplaques gescreent wird, ist die Wahrscheinlichkeit, fündig zu werden, hoch: In der PESA-Studie, in die zwischen 2010 und 2014 über 4.000 spanische Bankangestellte im Alter zwischen 40 und 54 Jahren ohne kardiovaskuläre Vorerkrankung aufgenommen wurden, findet sich eine Prävalenz von Plaques der Karotis im Ultraschall von 31% (Männer 36%, Frauen 24%).    mehr  


arznei-telegramm® 2016; 47: 118
ADJUVANTIERTER GRIPPEIMPFSTOFF FLUAD ... klinische Wirkvorteile weiterhin nicht belegt

Gibt es mittlerweile neue, bessere Nutzenbelege zur Grippeimpfung mit FLUAD?

N.N. (Name etc. im a-t 12/2016 genannt)

Der trivalente adjuvantierte Grippeimpfstoff FLUAD ist hierzulande seit 16 Jahren auf dem Markt (a-t 2000; 31: 75). Zugelassen ist die Vakzine nur für Personen über ab (nach Drucklegung korrigiert am 15. Dezember 2016) 65 Jahre, bei denen sie im Vergleich zu herkömmlichen nichtadjuvantierten Impfstoffen (VAXIGRIP u.a.) stärker immunogen wirken soll. Tatsächlich erzeugt die Immunisierung mit FLUAD gegenüber konventionellen Grippeimpfstoffen in mehreren randomisierten Studien in dieser Altersgruppe signifikant höhere Antikörpertiter gegen mindestens zwei der drei im Impfstoff enthaltenen Virusstämme.    mehr  


arznei-telegramm® 2016; 47: 115-6
CELECOXIB (CELEBREX) – KARDIOVASKULÄRE SICHERHEIT WIE UNTER NAPROXEN UND IBUPROFEN?

In unserer letzten Bewertung haben wir Naproxen (NAPROXEN-CT u.a. Generika) als Mittel der Wahl unter den nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) für längerfristige Anwendungen bei Patienten mit erhöhtem kardiovaskulären Risiko eingestuft (a-t 2013; 44: 66-8). Grundlage war eine umfassende Metaanalyse randomisierter Studien, die auf Basis direkter und indirekter Vergleiche für Diclofenac (VOLTAREN, Generika) und wahrscheinlich auch für Ibuprofen (IBUHEXAL u.a. Generika) ein gegenüber Plazebo ähnlich erhöhtes Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse ermittelte wie für Cox-2-Hemmer, nicht aber für Naproxen.    mehr  


arznei-telegramm® 2016; 47: 108
LANGZEITSAUERSTOFFTHERAPIE BEI CHRONISCH OBSTRUKTIVER LUNGENERKRANKUNG (COPD)
– WER PROFITIERT?

Wenn bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) bereits in Ruhe eine schwere Hypoxämie besteht (arterielle Sauerstoffsättigung [SaO2] ≤ 88% oder ≤ 90% bei gleichzeitig bestehender Rechtsherzinsuffizienz, Polyzythämie und/oder pulmonaler Hypertonie), wirkt eine Langzeittherapie mit Sauerstoff über mehr als 15 Stunden pro Tag lebensverlängernd. Sauerstoff gehört damit zur Standardtherapie bei diesen Patienten. Ob die Behandlung die Prognose auch bei weniger ausgeprägter Hypoxämie verbessert, war bislang unklar.    mehr  


arznei-telegramm® 2016; 47: 106-8
ERHÖHTE MORTALITÄT NACH TOTIMPFSTOFFEN?

In Ihrer Übersicht zur Tetanusimpfung (a-t 2016; 47: 17-20) sind Sie nicht auf unspezifische Effekte (erhöhte Mortalität nach Totimpfungen) eingegangen, die zwar zunächst in Afrika unter prekären sozioökonomischen Umgebungsbedingungen in die Diskussion gelangt sind, nach meiner Kenntnis aber auch in einem Industrieland wie Dänemark zumindest nicht ausgeschlossen werden konnten. Ich befürworte und empfehle Impfungen, halte es aber eben deshalb für nötig, auf wissenschaftlicher Basis entstandene Risikosignale zu bedenken. Wie schätzen Sie dieses Thema ein?

N.N. (Name etc. im a-t 11/2016 genannt)

Für verschiedene im Säuglings- und Kleinkindalter angewendete Impfstoffe wird neben ihren unbestritten positiven spezifischen Effekten auf die jeweilige Zielkrankheit seit Längerem auch ein unspezifischer Einfluss auf Morbidität und Mortalität diskutiert. Nach Untersuchungen, die überwiegend aus Regionen mit hoher Kindersterblichkeit stammen und bei denen eine Arbeitsgruppe um den dänischen Forscher Peter AABY dominiert, könnten Lebendvakzinen, beispielsweise gegen Masern und Tuberkulose (BCG-Impfstoff, hierzulande nicht mehr im Handel), die Sterblichkeit deutlich stärker senken, als durch die Verhinderung dieser beiden Erkrankungen zu erwarten wäre, während Totimpfstoffe - in erster Linie Diphtherie-Tetanus-Pertussis (DTP)-Impfstoffe - mit erhöhter Mortalität einhergehen sollen.    mehr  


arznei-telegramm® 2016; 47: 105-6
OPICAPON (ONGENTYS) BEI MORBUS PARKINSON

Nach dem von uns als Reservemittel eingestuften Entacapon (COMTESS, Generika; a-t 1998; Nr. 12: 111-2) und dem potenziell leberschädlichen Tolcapon (TASMAR; a-t 1998; Nr. 11: 106) ist seit Oktober 2016 Opicapon (ONGENTYS), der dritte Hemmstoff der Katechol-O-Methyltransferase (COMT), zur Behandlung des Morbus PARKINSON im Handel. Zugelassen ist Opicapon als Zusatztherapeutikum für PARKINSON-Patienten mit motorischen Fluktuationen, die mit Levodopa plus Dekarboxylasehemmer (z.B. MADOPAR, Generika) allein nicht auskommen.   mehr 


arznei-telegramm® 2016; 47: 103-5
WAS TUN BEI MUSKELBESCHWERDEN UNTER STATINTHERAPIE?

Statine gehören bei atherosklerotischen Erkrankungen zur Standardtherapie. Ihre morbiditätssenkende Wirkung ist gut belegt, für Simvastatin (ZOCOR, Generika) und Pravastatin (PRAVASIN PROTECT, Generika) auch eine Minderung der Mortalität (z.B. a-t 2012; 43: 67-9). Unbestritten ist andererseits, dass Statine Muskelschäden bis hin zu einer lebensbedrohlichen Rhabdomyolyse auslösen können. Myopathien, definiert als Muskelbeschwerden mit Anstieg der Kreatinkinase (CK) auf über das Zehnfache der oberen Norm, treten in der randomisierten Heart Protection Study (HPS) unter üblicher Dosierung von täglich 40 mg Simvastatin innerhalb von fünf Jahren bei 0,1% auf (versus 0,04% unter Plazebo). Rhabdomyolyse, definiert als über vierzigfacher CK-Anstieg mit Muskelsymptomen, wird bei 0,05% beobachtet (vs. 0,03%). Mit höheren Plasmaspiegeln, zum Beispiel infolge Dosissteigerung oder aufgrund von Interaktionen, nimmt das Risiko zu.    mehr  


arznei-telegramm® 2016; 47: 96-7
STRONTIUMRANELAT (PROTELOS) - ARZNEIMITTELBEHÖRDE EMA JAHRELANG UNTÄTIG

Eine neuseeländische Autorengruppe wirft der europäischen Arzneimittelbehörde EMA jahrelange Versäumnisse bei der Überwachung des Osteoporosemittels Strontiumranelat (PROTELOS) vor. Verwundert, dass eine 2013 ausgesprochene Warnung vor Zunahme von Herzinfarkten unter Strontium (a-t 2013; 44: 39) hauptsächlich auf Daten aus der damals bereits zehn Jahre alten Zulassungsstudie TROPOS beruht, wollen die Autoren die entsprechenden Sicherheitsdaten einsehen. Dies wird ihnen von der Behörde mit dem Hinweis auf die "kommerzielle Sensibilität" (!) der Daten zunächst verweigert, nach Einspruch schließlich aber gewährt. Demnach weist spätestens 2006 der abschließende Studienbericht von TROPOS sowie eine gepoolte Analyse von TROPOS mit der kleineren Zulassungsstudie SOTI, in die insgesamt mehr als 6.500 Patientinnen eingehen, auf ein erhöhtes Risiko von Herzinfarkten und Herzinsuffizienz unter Strontium hin.    mehr  


arznei-telegramm® 2016; 47: 94-5
MILNACIPRAN (MILNANEURAX) GEGEN DEPRESSION: NICHTS NEUES

Seit August 2016 bietet Neuraxpharm mit Milnacipran (MILNANEURAX) ein Mittel zur Behandlung depressiver Episoden bei Erwachsenen an, das erstmals 1996 in Frankreich zugelassen wurde und auch in anderen Ländern einschließlich Österreich bereits seit knapp 20 Jahren im Handel ist. In den USA ist seit 2013 Levomilnacipran (USA: FETZIMA) erhältlich, das „aktivere Enantiomer” des Razemats Milnacipran. Milnacipran (USA: SAVELLA) ist dort nur bei Fibromyalgie zugelassen, nicht aber gegen Depression.

EIGENSCHAFTEN: Milnacipran hemmt, wie z.B. auch Venlafaxin (TREVILOR, Generika) und Duloxetin (CYMBALTA, Generika), die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin im synaptischen Spalt.    mehr  


arznei-telegramm® 2016; 47: 92-4
DACLIZUMAB (ZINBRYTA) BEI MULTIPLER SKLEROSE

Mit Daclizumab (ZINBRYTA) bringt Biogen im August 2016 einen weiteren Wirkstoff zur Behandlung Erwachsener mit schubförmiger Multipler Sklerose (MS) in den Handel. Daclizumab ist das fünfte krankheitsmodifizierende MS-Mittel des Anbieters auf dem deutschen Markt. Bis 2008 war der Wirkstoff als ZENAPAX zur Immunsuppression nach Nierentransplantation im Handel.

EIGENSCHAFTEN: Daclizumab ist ein humanisierter monoklonaler IgG1-Antikörper, der an CD25 bindet, die Alphauntereinheit des hoch affinen Interleukin-2-Rezeptors auf T-Zellen. CD25 wird in hohem Maß auf aktivierten T-Zellen exprimiert. Der genaue Wirkmechanismus bei MS ist nicht bekannt.    mehr  


arznei-telegramm® 2016; 47: 91-2
EXPLODIERENDE E-ZIGARETTEN
...Verbrennungen, tiefe Wunden, Blindheit, Verlust von Zähnen und Fingergliedern u.a

Der Handyhersteller Samsung hat weltweit alle neuen Galaxy Note 7 Smartphones zurückgerufen, da sie durch Überhitzung des Akkus schmelzen und in Flammen aufgehen können. Vergleichbare risikomindernde Aktionen gibt es für E-Zigaretten (a-t 2014; 45: 17-9) nicht, obwohl bereits hunderte Anwender durch die Akkus dieser so genannten Dampfer geschädigt wurden. Die meisten dieser Geräte enthalten Lithium-Ionen-Akkus mit hoher Energiedichte, mit denen eine Heizwendel erhitzt wird, um ein Nikotin oder andere Bestandteile enthaltendes Liquid zu verdampfen. Seit 2015 häufen sich Berichte über Akkus, die ohne vorherige Warnzeichen explodiert sind.    mehr  


arznei-telegramm® 2016; 47: 87
LEBERTRANSPLANTATION NACH IBEROGAST

Spanische Kollegen berichten über einen 37-jährigen Mann, der zwei Wochen nach Einsetzen von Appetitlosigkeit, Schwäche und Gelbsucht in die Klinik aufgenommen wird. Seine Arzneimittelanamnese ist leer – bis auf den Gebrauch des Kräuterextraktgemisches IBEROGAST, das er zwei Wochen lang vor Beginn der Beschwerden eingenommen hat. Transaminasen, alkalische Phosphatase, Gamma-GT und Gesamtbilirubin sind deutlich erhöht. Weitere Tests, einschließlich virale Serologie, Autoimmunprofil u.a. ergeben keinen Hinweis auf Auslöser der Leberschädigung. Während des Klinikaufenthaltes verschlechtern sich die Leberwerte weiter, nach einer Woche entwickelt sich eine hepatische Enzephalopathie. Eine Lebertransplantation wird erforderlich.    mehr  


arznei-telegramm® 2016; 47: 81-2
ZUR SICHERHEIT LANGWIRKENDER BETAMIMETIKA BEI ASTHMA BRONCHIALE
... zwei weitere Studien publiziert

Nach der im März publizierten AUSTRI-Studie mit Fluticason plus Salmeterol (VIANI, Generika) versus Fluticason (FLUTIDE, Generika) allein (a-t 2016; 47: 31) bei jugendlichen und erwachsenen Asthmapatienten werden jetzt zwei weitere der von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA geforderten randomisierten doppelblinden Studien zur Sicherheit langwirkender Betamimetika bei Asthma veröffentlicht. Eine der beiden (VESTRI) prüft ebenfalls Salmeterol (2 x tgl. 50 µg) in fixer Kombination mit Fluticason im Vergleich zu Fluticason allein, aber ausschließlich bei Kindern zwischen vier und elf Jahren, die andere Formoterolfumarat (2 x tgl. 9 µg) als Fixkombination mit Budesonid (SYMBICORT) versus Budesonid (PULMICORT, Generika) allein bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren.    mehr  


arznei-telegramm® 2016; 47: 84-6
VERORDNUNGSFÄHIGE KOPFLAUSMITTEL

Bisher habe ich JACUTIN PEDICUL Fluid verordnet, weil es bei Ihnen als wirksames Medikament bezeichnet wurde. Nun ist es nicht mehr verschreibungsfähig. Welches Antiläusemittel empfehlen Sie nun?

N.N. (Name etc. im a-t 9/2016 genannt)

Präparate gegen Kopfläuse sind grundsätzlich nur für Kinder unter 12 Jahren und Jugendliche mit Entwicklungsstörungen unter 18 Jahren zu Lasten der gesetzlichen Kassen verordnungsfähig. Dafür müssen sie jedoch entweder als Arzneimittel zugelassen oder in Anlage V der Arzneimittel-Richtlinie gelistet sein, in der der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die verordnungsfähigen Medizinprodukte aufführt. Derzeit werden dort die Dimeticon-haltigen Präparate DIMET 20, ETOPRIL und NYDA sowie seit dem 15. September 2016 auch das Mineralöl-haltige MOSQUITO MED Läuseshampoo 10 genannt. Für viele der angebotenen Läusemittel ist die Datenlage nach wie vor unbefriedigend, auch wenn seit unserer letzten ausführlichen Bewertung (a-t 2006; 37: 79-83) immerhin zu einigen Präparaten mindestens eine randomisierte kontrollierte Studie vorliegt.    mehr  


arznei-telegramm® 2016; 47: 79-80
FINANZIELLE SPEKULATIONEN BEHINDERN VERSORGUNG MIT ARZNEIMITTELN
... Strategien der Industrie am Beispiel Gilead und Sofosbuvir (SOVALDI)

Der Polymerasehemmer Sofosbuvir (SOVALDI, a-t 2014; 45: 33-4) gilt als Durchbruch in der Therapie der Hepatitis C. Sofosbuvir und die nachfolgend eingeführten anderen direkt antiviral wirkenden Hepatitis-C-Mittel ermöglichen auch ohne Interferone sehr hohe virologische Ansprechraten. Die exorbitant hohen Preise, zu denen der Polymerasehemmer und seine Nachfolger in den Handel gebracht wurden, bedrohen jedoch die Finanzierbarkeit der Gesundheitssysteme in aller Welt. In Deutschland müssten nach Berechnungen von WHO-Autoren mehr als 20% des Arzneimittelbudgets aufgewendet werden, um alle betroffenen Patienten mit Sofosbuvir zu behandeln, in den USA und auch in vielen anderen europäischen Ländern noch deutlich mehr. Weder die Herstellungs- noch die Entwicklungskosten können diese Preise rechtfertigen. Britische Soziologen beleuchten am Beispiel des Sofosbuvir-Anbieters Gilead Marktstrategien der Industrie, die das Preisniveau in die Höhe treiben.    mehr  


arznei-telegramm® 2016; 47: 75
ZUR CRM-EMPFEHLUNG VON EURARTESIM FÜR DIE MALARIA-STAND-BY-THERAPIE

Sie weisen in a-t 2016; 47: 57-9 auf das Potenzial von Artemether + Lumefantrin (RIAMET) zur QT-Zeit-Verlängerung hin und raten von einer Verwendung als Notfallselbsttherapeutikum ab. Kein Wort allerdings zu dem vom CRM - einem großen Reisemedizinhandbuchproduzenten - propagierten Einsatz von Dihydroartemisinin + Piperaquin (EURARTESIM) als Notfallselbsttherapeutikum, wo sogar in der Fachinformation auf die Notwendigkeit einer EKG-Überwachung während der Einnahme hingewiesen wird.

N.N. (Name etc. im a-t 8/2016 genannt)

Die Dihydroartemisinin-Piperaquin-Kombination EURARTESIM ist ausschließlich zur Therapie der unkomplizierten Plasmodium-falciparum-Malaria zugelassen, nicht zur Prophylaxe und nicht zur notfallmäßigen Selbsttherapie (Stand-by-Therapie). Wegen des Potenzials zur Verlängerung des QT-Intervalls wird während der Behandlung EKG-Aufzeichnung bzw. EKG-Monitoring empfohlen. Laut dem von den Zulassungsbehörden angeordneten Leitfaden für medizinisches Fachpersonal ist das Präparat zur Notfallselbstbehandlung "ungeeignet". In der Fachinformation fehlt hingegen unverständlicherweise eine entsprechende eindeutige Warnung.   freier Zugang  


arznei-telegramm® 2016; 47: 74-5
GADOLINIUMHALTIGE KONTRASTMITTEL
… Organschäden durch Rückstände?

Ich bekomme zunehmend Anfragen zum Risiko für Nieren und Gehirn bei mehrfachen MRT-Untersuchungen mit gadoliniumhaltigen Kontrastmitteln. Gibt es dazu neue Erkenntnisse?

N.N. (Name etc. im a-t 8/2016 genannt)

Direkte Nierenschädigung durch gadoliniumhaltige Kontrastmittel für MRT-Untersuchungen ist im Gegensatz zu jodhaltigen Röntgenkontrastmitteln (a-t 1992; Nr. 3: 27-8) nur selten beschrieben. Akutes Nierenversagen wird allerdings in den Fachinformationen der meisten in Deutschland zugelassenen MRT-Kontrastmittel als mögliche unerwünschte Wirkung erwähnt. Erst im März 2016 veranlasste die europäische Arzneimittelbehörde EMA die Aufnahme eines entsprechenden Hinweises in die Produktinformation von Gadoversetamid (OPTIMARK), nachdem akutes Nierenversagen bei Patienten mit Nierenfunktionsstörung in der Postmarketingüberwachung beobachtet wurde.

Eine andere seltene schwerwiegende unerwünschte Wirkung bei eingeschränkter Nierenfunktion ist die nephrogene systemische Fibrose (NSF; früher nephrogene fibrosierende Dermopathie genannt), die erstmals 2006 mit MRT-Kontrastmitteln in Verbindung gebracht wurde. Die fortschreitende schmerzhafte Bindegewebsvermehrung kann Haut und Muskulatur, aber auch innere Organe wie Niere, Leber, Herz oder Lunge betreffen. Kontrakturen und Unbeweglichkeit der Gelenke sowie lebensbedrohliche Funktionsstörungen können die Folge sein. Man nimmt an, dass die bei Betroffenen nachgewiesenen Gadoliniumablagerungen im Gewebe die Fibrosierung auslösen.    mehr  


arznei-telegramm® 2016; 47: 72
INTRANASALER INFLUENZA-IMPFSTOFF (FLUENZ TETRA) UNWIRKSAM?

Die US-amerikanische Impfkommission ACIP hat im Juni 2016 empfohlen, den intranasalen Influenza-Lebendimpfstoff FLUMIST QUADRIVALENT (hierzulande FLUENZ TETRA) für 2016/17 nicht zu verwenden. Begründet wird dies mit schlechter Wirksamkeit bei 2- bis 17-Jährigen, abgeleitet aus US-amerikanischen Beobachtungsdaten. Für 2015/16 wird eine Effektivität gegen bestätigte Influenzaerkrankungen von 3% errechnet (95% Konfidenzintervall [CI] -49% bis 37%) gegenüber 63% für konventionelle inaktivierte tri- oder tetravalente Grippeimpfstoffe (95% CI 52% bis 72%). Auch 2013/14 und 2014/15 hat die Lebendvakzine schlechter abgeschnitten als die Totimpfstoffe. Dabei sprachen randomisierte Studien für eine bessere Wirksamkeit der intranasalen Immunisierung (a-t 2012; 43: 74-5).    mehr  


arznei-telegramm® 2016; 47: 68
NOCHMALS: PRIAPISMUS UNTER ADHS-MITTEL METHYLPHENIDAT (RITALIN U.A.)

Das niederländische Pharmakovigilanzzentrum Lareb informiert soeben anlässlich zweier Berichte über unabhängig von sexueller Stimulation auftretenden Priapismus unter Therapie mit dem ADHS-Mittel Methylphenidat (RITALIN u.a.). Von den Stunden anhaltenden, zum Teil schmerzhaften Erektionen ist ein 8-jähriger Junge betroffen, der ein Jahr nach Therapiebeginn zuletzt zweimal täglich 30 mg eingenommen hat, sowie ein 14-jähriger nach Erhöhung der Tagesdosis von 36 mg auf 54 mg Retard (CONCERTA u.a.) und zuvor bereits nach Dosissteigerung von 18 mg auf 36 mg.

Vor zehn Jahren berichteten wir erstmals über zwei männliche Jugendliche (15 und 16 Jahre), die nach Vergessen einer CONCERTA Retardtablette bzw. während Therapiepausen unter anhaltenden schmerzhaften Erektionen litten (a t 2006; 37: 75-6).    freier Zugang